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		<title>Elternhaus</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 09:13:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>frankkugler</dc:creator>
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Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw (W&#252;rttemberg) im Nordschwarzwald geboren. Er stammte aus einer christlichen Missionarsfamilie und wuchs in einer beh&#252;teten und intellektuellen Familienatmosph&#228;re auf. Beide Eltern waren im Auftrag der Basler Mission in Indien t&#228;tig, wo Hesses Mutter Marie Gundert (1842–1902) auch geboren wurde. Sein Vater Johannes Hesse (1847–1916), Sohn eines [...]]]></description>
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<p>Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw (W&#252;rttemberg) im Nordschwarzwald geboren. Er stammte aus einer christlichen Missionarsfamilie und wuchs in einer beh&#252;teten und intellektuellen Familienatmosph&#228;re auf. Beide Eltern waren im Auftrag der Basler Mission in Indien t&#228;tig, wo Hesses Mutter Marie Gundert (1842–1902) auch geboren wurde. Sein Vater Johannes Hesse (1847–1916), Sohn eines baltischen Arztes, stammte aus Wei&#223;enstein in Estland. Da der Vater als Baltendeutscher B&#252;rger des russischen Zarenreichs war (Estland geh&#246;rte damals zu Russland), war auch Hermann von Geburt an russischer Staatsangeh&#246;riger. [3] In Calw war Johannes Hesse seit 1873 Mitarbeiter des „Calwer Verlagsvereins“. Dessen Vorstand war sein Schwiegervater Hermann Gundert (1814–1892), dem er in den Jahren 1893 bis 1905 als Vorstand und Verlagsleiter nachfolgte.</p>
<p>Hermann Hesse hatte f&#252;nf Geschwister, von denen zwei sehr fr&#252;h verstarben. Hesse war ein sehr fantasievolles Kind und hatte ein ausdrucksstarkes Temperament. Schon fr&#252;h machte sich sein Talent bemerkbar. Ihm mangelte es nicht an Gedicht-Ideen, er zeichnete wunderbare Bilder und es schien, als ob seine Eltern fast zu schwach f&#252;r ihn waren. So schrieb seine Mutter am 2. August 1881 in einem Brief an seinen Vater Johannes Hesse:</p>
<p>„[…] der Bursche hat ein Leben, eine Riesenst&#228;rke, einen m&#228;chtigen Willen und wirklich auch eine Art ganz erstaunlichen Verstand f&#252;r seine vier Jahre. Wo will&#8217;s hinaus? Es zehrt mir ordentlich am Leben dieses innere K&#228;mpfen gegen seinen hohen Tyrannengeist, sein leidenschaftliches St&#252;rmen und Dr&#228;ngen […] Gott mu&#223; diesen stolzen Sinn in Arbeit nehmen, dann wird etwas Edles und Pr&#228;chtiges draus, aber ich schaudere bei dem Gedanken, was bei falscher oder schwacher Erziehung aus diesem jungen passionierten Menschen werden k&#246;nnte. [4]“</p>
<p>Die Welt, in der Hermann Hesse seine ersten Lebensjahre verbrachte, war einerseits vom Geiste des schw&#228;bischen Pietismus gepr&#228;gt. Andererseits wurde seine Kindheit und Jugend durch das Baltentum seines Vaters gepr&#228;gt, was Hermann Hesse als „eine wichtige und wirksame Tatsache“ bezeichnete. So war der Vater sowohl in Schwaben wie in der Schweiz ein unangepasster Fremder, der hier nie Wurzeln schlug und „immer wie ein sehr h&#246;flicher, sehr fremder und einsamer, wenig verstandener Gast“ wirkte. [5] Hinzu kam, dass die Familie auch m&#252;tterlicherseits der weitgehend internationalen Gemeinschaft der Missionsleute angeh&#246;rte und dass seine aus dieser Linie stammende Gro&#223;mutter Julie Gundert, geb. Dubois (1809–1885), als franz&#246;sischsprachige Schweizerin ebenfalls zeitlebens eine Fremde in der schw&#228;bisch-kleinb&#252;rgerlichen Welt blieb.<br />
Hesses Geburtsstadt Calw mit der Nikolausbr&#252;cke und Nikolauskapelle &#252;ber der Nagold (Aufnahme 2003)</p>
<p>Erlebnisse und Begebenheiten aus seiner Kindheit und Jugend in Calw, die Atmosph&#228;re und Abenteuer am Fluss, die Br&#252;cke, die Kapelle, die eng aneinander liegenden H&#228;user, versteckte Winkel und Ecken sowie die Bewohner mit ihren bewundernswerten Eigenschaften, aber auch Eigenarten oder Schrulligkeiten hat Hesse in seinen fr&#252;hen Gerbersau-Erz&#228;hlungen[6] beschrieben und zum Leben erweckt. In Hesses Jugendzeit wurde diese Atmosph&#228;re u. a. noch stark von der alteingesessenen Zunft der Gerber gepr&#228;gt.[7] Auf der Nikolausbr&#252;cke, seinem Lieblingsort in Calw, hat Hesse sich oft und gern aufgehalten. Daher ist auch dort die unten abgebildete, von Tassotti geschaffene, lebensgro&#223;e Hesse-Skulptur im Jahr 2002 aufgestellt worden.[8]</p>
<p>Ein mehr von innen her wirkendes Gegengewicht zum Pietismus war die immer wieder in den Erz&#228;hlungen des Vaters Johannes Hesse mit unendlich viel Herzblut aufleuchtende Welt Estlands. „Eine &#252;beraus heitere, bei aller Christlichkeit sehr lebensfrohe Welt […] nichts w&#252;nschten wir sehnlicher, als auch einmal dieses Estland […] zu sehen, wo das Leben so paradiesisch, so bunt und lustig war.“</p>
<p>Zudem stand Hermann Hesse die umfassende Bibliothek seines promovierten und eine Vielzahl von Sprachen beherrschenden Gro&#223;vaters Hermann Gundert mit Werken der Weltliteratur zur Verf&#252;gung, die er sich intensiv erschloss. All diese Komponenten eines Weltb&#252;rgertums „waren die Grundlagen f&#252;r eine Isolierung und f&#252;r ein Gefeitsein gegen jeden Nationalismus, die in meinem Leben bestimmend gewesen sind.“[5]</p>

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